Kindertag in Japan – Bunte Koinobori und Samurai-Traditionen
Japan Feiertage: der Kindertag als Teil der Goldenen Woche
Der japanische Kindertag am 5. Mai bildet gemeinsam mit noch weiteren Feiertagen im Frühsommer die sogenannte Goldene Woche in Japan. Diese Goldene Woche, als Aneinanderreihung mehrerer Japan Feiertage, läutet die Urlaubszeit und Hauptsaison in Japan ein. Mit traditionellen Dekorationen und bunten Wimpel-Ketten taucht die Goldene Woche Japan in ein buntes und feierliches Farbenmeer. Der Feiertag ist insbesondere den Jungen gewidmet, denn die Mädchen stehen bereits beim Hinamatsuri im Fokus.
Japanische Feiertage haben oft eine lange Tradition und gehen teils auf historische japanische Feste und alte Rituale zurück. So auch der Kindertag in Japan, der heute als „Kodomo no hi“, auf Deutsch „Tag der Kinder“, gefeiert wird. Der Kindertag in Japan war ursprünglich eines von fünf saisonalen Festen, zu denen auch das Neujahrsfest, das Hinamatsuri, das Sternenfest Tanabata und das Chrysanthemenfest im September gehörten. Damit gehört der Kindertag zu den ältesten der Japan Feiertage.
Der Ursprung vom Kindertag in Japan im Mondkalender
Schon im sechsten und siebten Jahrhundert vermischten sich verschiedene chinesische und japanische Traditionen im Hofzeremoniell des japanischen Kaiserhofs und brachten neue Japan Feiertage und Traditionen mit sich. So entstand ebenfalls der Kodomo no hi, der Kindertag in Japan. Inspiriert vom chinesischen Drachenbootfest, das ebenfalls an diesem Tag gefeiert wurde, fand der heute als Kindertag bekannte Feiertag seinen Ursprung. Er wurde im damals vorherrschenden japanischen Mondkalender auf den fünften Tag des fünften Monats datiert. Deshalb war der Kindertag in Japan lange bekannt als „Tango no Sekku“, was grob übersetzt so viel heißt wie „Saisonales Fest zum 5. Tag des 5. Monats“.
Der Kindertag wurde als jahreszeitliche Zeremonie begangen, die den Beginn der japanischen Regenzeit und somit den Beginn des Sommers markierte. Der jahreszeitliche Zusammenhang wird auch im Namen „Ayame no Hi“ (Tag der Iris) deutlich. Ursprünglich führten an diesem Tag Frauen Reinigungsrituale im Haus durch. Sie schmückten das Dach mit Irisblüten, von denen man glaubte, sie würden böse Geister abwehren. Bis heute können zu dieser Zeit mancherorts Irisblüten als Schmuck an Hauseingängen entdeckt werden.
Wie feiert man „Kodomo no hi“, den Kindertag in Japan?
Seit dem Aufstieg der Kriegerkaste der Samurai im 12. und 13. Jahrhundert wurde der damals als „Tango no Sekku“ bekannte Tag zu einem Feiertag für Jungen und Väter. Auch die als Verzierung beliebte Iris, die auch uns bei wegen ihrer Form Schwertlilie heißt, wurde in dieser Zeit in Japan zu einem Symbol für die Schwertkämpfer und Glück der Krieger. Von nun an wurden am „Tango no Sekku“ besondere Rituale und Bräuche abgehalten. Darunter das Yabusame-Ritual (japanisches Bogenschießen zu Pferd), um böse Geister abzuwehren, oder das Baden der Jungen in Bädern mit Irisblättern und Iriswurzeln, um Stärke zu erlangen. Dazu kam der Brauch, ähnlich wie bei dem Puppenfest Hinamatsuri, zum Jungenfest japanische Miniatur-Rüstungen mit Samurai-Helmen, genannt Gogatsu Ningyo (Maipuppe), im Haus aufzustellen. In der – durch die Samurai-Kultur und das Tokugawa-Shogunat geprägte – Edo-Zeit wurden schließlich Samurai-Puppen (Musha Ningyo), Heldenfiguren und in Samurai-Familien auch richtige Rüstungen aufgestellt. Bis zum heutigen Tag sieht man diese Bräuche noch teilweise, wenn man seine Japanreise zur Goldenen Woche plant und durch die japanischen Wohnviertel läuft.
Das Gegenstück zum Kindertag bzw. Jungentag war übrigens damals schon das Hinamatsuri, der Mädchentag in Japan. Auch dieses Fest wird bis heute gefeiert.
Koinobori, Shodoshima
Koinobori – Wie der Kindertag in Japan zum Karpfen kam
Aus der Edo-Zeit stammt ebenfalls ein sehr auffälliger Brauch, der heute noch jedem auf Japanreise ins Auge springt, sobald sich der Kindertag nähert: Das Aufhängen von bunten Wimpeln in Form von Karpfen, den sogenannten Koinobori. Zunächst startete der Brauch mit verschiedenen bunten Flaggen und Wimpeln mit den Familienwappen, die später in die heute bekannte Karpfen-Form weiterentwickelt wurden. Heute schmücken die bunten Girlanden Japans Straßen oft noch weit über die goldene Woche hinaus. Denn der Koi Karpfen ist in Japan ein Symbol für Glück und Wohlstand, aber auch für Beharrlichkeit gegenüber Widrigkeiten, da ein Koi durchaus auch gegen den Strom schwimmen kann. Sie sind so bekannt und beliebt, dass es sogar ein Emoji mit Karpfen-Wimpeln gibt! 🎏
Aufmerksame Beobachter entdecken an der Spitze der Fahnenstangen mit den bunten Koinobori etwas, das aussieht wie eine Wetterfahne mit bunten Streifen. Diese wird Fukinagashi genannt und symbolisiert einen Drachen. Gemäß einer japanischen Legende verwandeln sich Karpfen, die sich gegen den Strom einen Wasserfall hinaufgekämpft haben, in einen Drachen.
Der Kindertag in Japan heute
Alle diese Eigenschaften von Glück, Stärke und Wohlstand wünschte man den jungen Kriegern – aber eben nicht nur diesen, sondern allen Kindern. Deshalb wird der Kindertag in Japan heute als Kodomo no hi für alle Kinder gefeiert. Inzwischen folgt Japan dem gregorianischen Kalender und nicht mehr dem Mondkalender. Passend zur ursprünglichen Datierung des Kinderfestes zum fünften Tag des fünften Monats, wurde das Datum des Feiertags auf den 5. Mai festgelegt.
Auch heute noch werden an einer Fahnenstange oder Bambusstäben die Koinobori von Familien aufgehängt. Ein großer schwarzer Koi Karpfen steht dabei stellvertretend für den Familienvater, der etwas kleinere roter Karpfen für die Mutter und in absteigender Größe weitere blaue Koinobori für jedes Kind der Familie. Heute wird hier die Farbregeln locker genommen werden – Hauptsache, die ganze Familie ist vertreten. So können Touristen auf Japanreise viele bunte Koinobori bewundern und die goldene Woche samt traditionsreicher Feste genießen.
Neben den farbenfrohen Koinobori werden weiterhin Samurai-Figuren und Figuren von legendären Helden aufgestellt. Besonders beliebt ist die Figur Kintaro (Goldener Junge), einer sehr bekannten Sagengestalt, die als besonders stark, aufrichtig und mutig gilt. Auch traditionelle japanische Süßigkeiten sind vom Kinderfest in Japan heute nicht mehr wegzudenken. Besonders beliebt sind Kashiwa-Mochi (in Eichenblättern gehüllte, süße Reiskuchen) und Chimaki (in Bambusblätter gewickelte Reisklöße). Darüber freuen sich nicht nur die Kinder, sondern auch Japanreisende sollten sich die süßen Köstlichkeiten nicht entgehen lassen.
Bunte Koinobori Dekorationen auf Japanreise entdecken
Wer die bunten Koinobori fliegen sehen will, der hat diese Gelegenheit nicht nur am 05. Mai während die Goldene Woche Japan in festliche Stimmung einhüllt. Glücklicherweise gibt es anlässlich des Kodomo no hi meist schon von Anfang April an bunte Koinobori Dekorationen an vielen öffentlichen Orten in ganz Japan zu entdecken. Ein farbenfroher Sightseeing-Punkt im Japan Urlaub.
Hier sind ein paar Tipps für die besten Koinobori-Spots im Frühling:
1. Am Tokyo Tower hängen jedes Jahr schon im Vorlauf zum Kindertag – meistens von Ende März über die Goldene Woche bis zum 6. Mai - 333 bunte Koinobori. Sie symbolisieren die Höhe des ikonischen Turms von 333 Metern. Im April beginnt normalweise auch das Tokyo Skytree Koinobori Festival am noch höheren Skytree. In verschiedenen Jahren hingen hier bis kurz nach dem Kindertag zwischen 800 und 1200 Koinobori und boten ein wunderbares Bild.
2. An der Grenze zur Präfektur Oita liegt Tsuetate Onsen, eine Onsen-Stadt mit einer 1.800-jährigen Geschichte, versteckt in den Bergen von Kumamoto. Der Ort lädt nicht nur zu einem heißen Bad im Onsen ein, sondern auch zum jährlichen Tsuetate Hot Spring Carp Festival. Hierfür werden mehr als 3.500 Koinobori aus allen Teilen Kyushus gesammelt und von Anfang April bis zum 6. Mai hier aufgehängt.
3. Die Kawakamikyo-Schlucht in der Saga Präfektur bietet das ganze Jahr über schöne Naturlandschaften und einige interessante Sehenswürdigkeiten wie den Jissoin-Tempel, den riesigen Jukkaen-Garten und den Kyoseki-Riesenfelsenpark. Im Frühling kann man hier schöne Kirschblüten und etwa 600 Koinobori bewundern, die über dem Fluss der Schlucht aufgehängt sind.
4. Das Dorf Achi ist eine Bergstadt in Nagano und lockt Outdoorfans zum Campen und Wandern in die Natur Japans. Ein besonderes Naturschauspiel ereignet sich hier von Ende April bis Anfang Mai, wenn die zahlreichen Pfirsichbäume blühen. Passend zu dem rosa Blütentraum ergänzen sich die Koinobori, die über den Fluss hängen. Zusammen ein wunderbares Bild.
5. In Niigata kann man Koinobori unter anderem beim Kamo Koinobori Festival sehen. Die Veranstaltung findet seit 1989 von Anfang April bis Anfang Mai statt. Rund 500 bunte Koinobori werden über dem Fluss Kamo aufgehängt und flattern im Wind.
6. In Kanazawa findet einmal im Jahr das Asanogawa River „Koinagashi“ Festival statt. Dieses Fest unterscheidet sich ein wenig von den anderen Kodomo no hi Festivals. Anders als an anderen Orten werden die Koinobori hier nicht nur aufgehängt, sondern einige werden in den Fluss hinuntergelassen. Hier schwimmen die Koinobori und winden sich in den Wellen des Wassers. Die Veranstaltung findet in der ersten Maiwoche an der charmanten hölzernen Ume no bashi-Brücke in der Nähe des traditionellen Higashi Chaya-Viertels der Stadt statt.
Wer seine Japanreise im Frühjahr plant, kann sich neben der japanischen Kirschblüte in einigen Regionen ebenfalls auf die bunten, im Wind flatternden Koinobori freuen. Neben fröhlicher Feierstimmung und leckerem Essen entdecken Reisende viele typisch japanische Traditionen und Bräuche zum Kindertag in Japan. Eine Japanreise während der Goldenen Woche lohnt sich – besonders wenn ihr von der klassischen Hauptroute abweicht, denn da Hauptreisezeit ist, tummeln sich in Kyoto und Tokyo sehr viele Reisende aus dem In- und Ausland.